Wie authentisch kann ein Weltgebetstag sein?


Beobachtungen vom WGT 2003 - Libanon



Wenn es den WGT nicht gäbe - man müßte ihn erfinden. Denn die Idee des WGT ist unschlagbar und unverzichtbar. Wir brauchen den WGT, um von unseren Schwestern in anderen Ländern zu erfahren, um ihre Stimmen und Anliegen zu hören, um den Leib Christi in seiner wunderbaren Vielfalt zu erleben. Und wir brauchen die ökumenische Zusammenarbeit in den Gemeinden vor Ort.


Der Weltgebetstag der Frauen 2003 nach der Liturgie aus dem Libanon liegt schon ein Jahr zurück. Alle Teams und Gemeinden vollziehen den Sprung vom Orient über den großen Teich zum nächsten WGT-Land Panama. Ein gewaltiger Sprung um die halbe Erdkugel - danach Polen, dann Südafrika -, nicht nur geographisch, sondern v.a. geistig und mental. Die Intention des WGT ist es, "authentisch" die Lebens- und Glaubenssituation des Herkunftslandes zu vermitteln, um "informiertes Beten" zu ermöglichen. An diesem Anspruch, mehr zu leisten als eine Studienreise, muss sich jede Liturgie messen lassen.


Dass die jährliche Umstellung auf eine immer wieder völlig andere Lebens-, Gedanken- und Glaubenswelt mit der zurzeit praktizierten Arbeitsweise des deutschen Komitees den Anspruch auf Authentizität nur unzureichend erfüllen kann, möchte ich paradigmatisch am Beispiel Libanon aufzeigen.

Die deutsche Liturgie und noch mehr das Arbeitsheft hat sich an theologisch bedeutsamen Stellen von der ursprünglichen Intention entfernt. Ein Blick in andere europäische Liturgien zeigt deutlich, wie weit der Interpretationsspielraum reicht und wie unterschiedlich er genutzt wurde. Der deutsche Zugang zum WGT-Thema überlagert es mit seiner eigenen Hermeneutik.

Die Übersetzung der Liturgie und der theologische Teil des Arbeitsheftes erweisen sich durch den "deutschen" Zugang als in höchstem Maße kontraproduktiv für das Gespräch zwischen Christentum und Islam.


Die arabische Liturgie

Der Libanon ist das dritte arabischsprachige Land, aus dem je eine WGT-Liturgie kam (1959, 1970 und 1975 aus Ägypten, 1994 aus Palästina). Der arabische Text, der vom libanesischen Komitee erarbeitet und in den Gottesdiensten im Libanon verwendet wurde, liegt mir vor. Die libanesische Liturgie wurde bereits im Land aus dem Arabischen ins Englische übersetzt. Daraus entsteht dann in der Internationalen Geschäftsstelle in New York die einzige autorisierte Fassung in englischer Sprache, die an alle nationalen Komitees gesandt wird.


Mit dieser Liturgie haben die libanesischen Frauen eine Leistung vollbracht, die wir hier in Deutschland kaum genug würdigen können: Es nötigt tiefen Respekt ab, dass Frauen aus einem so breiten konfessionellen Spektrum – mit weit mehr Denominationen als wir überhaupt kennen – und aus unterschiedlichen ethnischen und politischen Gruppen zusammen arbeiten, beten und zu einem Text kommen. Sie haben einen wunderbaren Text verfaßt, von großer sprachlicher Schönheit, zutiefst durchdrungen und geprägt von biblischen Formulierungen, ein Dokument des Ringens mit sich und der eigenen Geschichte, in inniger und vertrauensvoller Hinwendung zu Gott. Und es ist zugleich ein echter Friedenstext, der trotz seiner historischen und aktuellen Bezüge an keiner Stelle ein politisches Manifest ist. Es ist zwar schade, dass von der Sprachkraft des Arabischen als einer der ausdrucksstärksten Sprachen im deutschen Text nicht mehr viel zu spüren ist. Doch als wirklich gravierend erweisen sich inhaltliche Verschiebungen in Liturgie und Arbeitsheft. Diese ergeben sich durch die Übersetzung aus dem Englischen ohne jegliche Rückbindung an libanesisches / arabisches Denken.


Sprachliche Anleihen aus dem Koran?

Zwei Stellen in der Liturgie lesen sich im Deutschen wie Anleihen aus Schlüsseltexten des Koran:

Wenn auf S. 11 steht "Wir kennen keinen anderen Gott als Dich. Dich allein verehren wir und zu dir allein beten wir", so ist das auf den ersten Blick korrekt übersetzt. Rückübersetzt, bzw. mit arabischen Augen gelesen, hört man jedoch im ersten Satz die Schahada, das islamische Glaubensbekenntnis ("Es gibt keinen Gott außer Gott"), im zweiten Satz einen Vers aus der Fatiha, dem islamischen Hauptgebet ("Dir allein dienen wir / Dich allein verehren wir." Sure 1,5). In der arabischen Version sind die Parallelen zwar auch gegeben, jedoch nur auf formaler Ebene. Was in der deutschen Liturgie so gleich klingt, haben die Libanesinnen auf einer völlig anderen Sprachebene geschrieben, die jede Verwechslung mit islamischer Sprache ausschließt. Die bewußt christliche Formulierung des Gebetes ist im Deutschen völlig verlorengegangen, so dass jeder Muslim sich nun darin wiederfinden könnte.


Deutlicher noch kommt die fehlende interreligiöse Sensibilität im "Ruf zum Gebet" (S. 4) zum Ausdruck, wo es heißt: "Denn Gott ist groß und Gott über alle Götter." Jeder der über 400.000 Arabisch Sprechenden in Deutschland erkennt in "Gott ist groß" das islamische "Allahu akbar" wieder – den ersten Satz des Muezzinrufs, die Schwur- und Ausrufeformel und v.a. den islamischen Schlachtruf, der den Christen im Libanon während muslimischer Überfälle und Massaker Vorbote des Todes war – ein krasser Fehlgriff! Als ich muslimischen Frauen sowie christlichen LibanesInnen diese Teile des deutschen Textes vorlas, waren sie hell entsetzt und riefen spontan aus: "Das ist ja Koran!"


Es liegt auf der Hand, dass die libanesischen Verfasserinnen der Liturgie nicht "Allahu akbar" in ihren Ruf zum Gebet schrieben. In der arabischen Liturgie und dem autorisierten englischen Text klingt das völlig anders: "Der Herr ist ein herrlicher Gott und ein großer König/Herrscher über alle Götter." – ein direktes Zitat aus Ps 95,3. Warum haben es sowohl die Schweiz ("Gott ist ein grosser Gott und ein König über allen Göttern.") als auch Großbritannien ("For the Lord is a great God and a great King above all gods.") geschafft, ein Psalmzitat als solches in eine Liturgie aufzunehmen – und warum mußte man in Deutschland einen Psalmvers derart verstümmeln? Wenn uns sogar die christliche Sprache - und damit deren Inhalt! - verlorengeht, dann werden hier Grenzen überschritten, die eine christliche Liturgie wahren sollte. Es bleibt deutschen Theologinnen unbenommen, in ihren Gottesdiensten die Sprache zu verwenden, die sie für angemessen halten – diese aber libanesischen Frauen in den Mund zu legen, mißachtet das eigene Ideal authentischer Wiedergabe.


Wenn es sich um Anklänge an weniger bekannte Passagen des Koran handeln würde, könnte man argumentieren, solche Details seien nur wenigen Fachleuten bekannt. Nun handelt es sich aber um die islamischen Schlüsseltexte Gebetsruf, Glaubensbekenntnis und Hauptgebet, die inzwischen hinreichend geläufig sein sollten. Dass diese Texte dem deutschen Team tatsächlich nicht bekannt sein sollen, ist allerdings schwer nachvollziehbar.


Westliches Frauenbild im Libanon?

Im Liturgietext fällt die inklusive Sprache auf, die nun wirklich nicht aus der englischen Vorlage abzuleiten ist, denn das Englische differenziert ja nicht bei "disciples" oder "apostles". Obwohl das Arabische sprachlich zwischen feminin und maskulin noch weit mehr differenziert als das Deutsche (selbst in den Verben), haben die Libanesinnen immer nur die allgemeine, männliche Pluralform verwendet, die selbstverständlich auch Frauen miteinschließt. Dies ist in den Kirchen auch anderer arabischer Länder üblich. Inklusive Sprache dagegen ist im orientalischen Kontext ein Merkmal koranischer Sprache (vgl. Sura 48,25; 24,30.31; 33,35)!


Eine Schlüsselstelle ist das Gebet S. 11, das von Marias Reaktion auf der Hochzeit zu Kana handelt. Hier liest die deutsche Version: "Sie erlebte, was du dort tatest und hat dich verstanden", während in der arabischen Version steht: "Sie hat beobachtet, was du tatest, und war gehorsam, obwohl sie die größte unter den Frauen war." Offensichtlich haben die Frauen im Libanon kein Problem damit, dass Maria Jesus gehorsam war. Und wieder stimmt der Text aus der Schweiz und Großbritannien mit dem arabischen Text überein. Welchen Grund sollte es für Deutschland geben, hier "korrigierend" einzugreifen?


Arabischer Feminismus, und speziell libanesischer Feminismus, unterscheidet sich vom westlichen. Arabische Frauen, egal ob Musliminnen oder Christinnen, streben gerade nicht nach dem Feminismus Amerikas oder Europas, der ihnen zu konfrontativ und unweiblich ist. Im Arbeitsheft (S. 122-126) werden die Frauen des libanesischen Komitees zutreffend als selbstbewusste und starke Persönlichkeiten beschrieben. Lassen wir doch diesen Frauen den Feminismus, den sie für sich selbst für richtig erachten! Wer sind wir westlichen Frauen denn, dass wir meinen, orientalischen Frauen Nachhilfe leisten zu müssen! Gerade diese "Entwicklungshelfer" sollten darauf achten, nicht ihrerseits in Klischees zu verfallen, und sehr genau darauf hören, welche Art von "Befreiung" orientalische Frauen selbst möchten. Dies im Rahmen von "authentischer" Wiedergabe orientalischer Lebens- und Glaubenswelt leisten zu wollen, ist jedoch der falsche Ort.

"Geistin" in der arabischen Bibel?

Das 300 Seiten starke Arbeitsheft zur Vorbereitung enthält im ersten Teil hervorragende Sachartikel von deutschen und libanesischen Fachleuten zur Situation im Libanon. Der zweite, theologische Teil dagegen entfaltet das Thema des Heiligen Geistes aus der Sicht der feministischen Theologie und spricht von der "Weiblichkeit des Heiligen Geistes", der "Geistin". Begründet wird dies damit, dass "Geist", im Hebräischen ruach, weiblich ist.


Nun ist es in einem deutschen Kontext jedem unbenommen, seinen eigenen Ansatz zu vertreten, auch wenn es der Vollständigkeit halber wünschenswert gewesen wäre, wenn zumindest die Möglichkeit eines differierenden theologischen Ansatzes offen geblieben wäre.


Nur: Wenn es sich um den Libanon und die arabische Sprache handelt, gelten hier andere Regeln. Im Arabischen, der Sprache, in der die libanesischen Frauen ihre Bibel lesen und von deren Vorgaben her sie denken, wird das gender-Problem geradezu vorbildlich gelöst: ruh - Geist ist zwar feminin wie im Hebräischen, es wird innerhalb des Satzes jedoch mit der maskulinen Verbform verwendet, wenn es sich um einen übermenschlichen Geist handelt. Nur wenn es um den menschlichen Geist geht, steht das Verb in der syntaktisch korrekten Femininform. Dies gilt für den alternativen Liturgietext Apg 2,4; am deutlichsten in Joh 6,63 "ar-ruh hua lladhi yuhyi = der Geist, er, der lebendig macht". Dasselbe Vorgehen findet sich bei kalima - "das Wort" im gesamten Johannes-Prolog (grammatikalisch feminin, in der Bedeutung "logos" syntaktisch maskulin).

Besser kann man Dogmatik nicht praktisch anwenden: Im Arabischen wird hier mit sprachlichen Mitteln die Souveränität Gottes und des Heiligen Geistes zum Ausdruck gebracht: Er läßt sich nicht in die menschlichen Kategorien männlich oder weiblich zwängen, ist mit menschlicher Sprache nicht zu erfassen, sondern er umfasst alle Dimensionen menschlichen Denkens und übersteigt sie zugleich.


In Deutschland lebende libanesische Frauen, mit denen ich die Liturgie und einzelne Aspekte des Arbeitsheftes durchgesprochen habe, lehnen eine weibliche Geist-Vorstellung ab. Diese ist ihnen völlig fremd. Dasselbe gilt in noch stärkerem Maß für den Libanon selbst.


"Geistin" im christlich-islamischen Gespräch?

Wenn schon christliche arabische Frauen eine westlich feministische Pneumatologie als Zumutung empfinden, wie muss eine Ansprache/Meditation aus dem Arbeitsheft gar auf muslimische Libanesinnen wirken, in der Formulierungen vorkommen, wie: "Als Gebärerin der Geistkraft Gottes leben Frauen" (S. 164), Geistin als "Symbol der Erotik" (S. 164), "die Geistin, die sich im Hauch nähert" (S. 222f).


Natürlich sind Meditationen keine dogmatischen Aussagen. Aber: Im Koran ist der Vorwurf gegen die Christen ja ein doppelter: nicht nur, dass sie Gott andere "Götter" zur Seite stellen (shirk), sondern auch die Tatsache, dass Gott und die Trinität in menschlich biologischen, sexuellen Kategorien gedacht werden soll: So geht der Koran von einer christlichen Trinititätsvorstellung aus, die der einer Götterfamilie aus der griechischen Mythologie ähnelt - mit Göttervater, Göttermutter und göttlichem Kind (vgl. Sure 5,116f.). Dass dies nicht auf schriftlichen christlichen Quellen, sondern auf der bloßen Beobachtung des Marienkultes häretischer Gruppen auf der arabischen Halbinsel beruht, ist heute hinreichend belegt. Die islamische Theologie geht in ihren Vorurteilen über die christliche Theologie also überhaupt nicht von einem Geist als dritter Person der Trinität aus, sondern von einer Göttergattin – und der Gedanke an ein sexuelles Verhältnis Gottes ist übelste Blasphemie und wird zu Recht abgelehnt.


Seit nunmehr 1400 Jahren bemüht sich die christliche Apologetik und der heutige christlich-islami-sche Dialog, dieses Vorurteil zu widerlegen. Doch nun kommt das WGT-Arbeitsheft, das mit leichter Hand alle diese Bemühungen vom Tisch fegt und die alten islamischen Vorurteile in jedem Punkt bestätigt! Ein kulturell adäquater Zugang hätte auf diese Schwierigkeiten im Ursprungsland eingehen und die dort bewährten Modelle darstellen müssen. Hier kann man nur von Herzen dankbar sein, dass das WGT-Arbeitsheft von Muslimen in Deutschland nicht zur Kenntnis genommen wurde. Es hätte dem Koran in seinen Vorurteilen über das Christentum recht gegeben und so das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen unerträglich belastet und beschädigt! Hier in Deutschland ist das nur ärgerlich, da können wir das Problem ausdiskutieren; im Libanon jedoch würde dieses Arbeitsheft als Haltung aller Christen deklariert und einen nicht nur verbalen Sturm der Entrüstung auslösen – denn alle unbedachten, naiven Äußerungen von Christen im Westen werden den orientalischen Christen angekreidet. Ich sehe nicht ein, warum orientalische Christen, die auch in schwierigsten Zeiten der Bedrängnis an ihrem Glauben festhielten und festhalten, für mangelnde religionswissenschaftliche Kenntnis und Sensibilität büßen sollen.


Interkulturelle Kompetenz der deutschen Redaktion?

Es wird versichert, im Redaktionsprozess der Liturgie gehe es darum, "den Originaltext so exakt wie möglich wiederzugeben"; der Text der Schwestern aus dem Libanon sei "nicht verändert, sondern so wiedergegeben, wie sie es formuliert haben." Nicht einmal einem Ethnologen kann es gelingen, sich jedes Jahr in das Denken eines anderen Landes einzufühlen. Dass das mit einem - teilweise - ehrenamtlich arbeitenden Team niemals zu bewältigen ist, liegt auf der Hand. Nun ist jede Übersetzung immer Interpretation. Und jeder Übersetzungsschritt bringt einen Verlust an Authentizität mit sich. Wer einen Text aus einer so weit entfernten Gedankenwelt wie dem Arabischen übersetzt, muss zuerst in sich die Wirkung spüren, die er in seinem ursprünglichen Kontext hat. Diese Wirkung gilt es dann in die neue Sprache zu transportieren - unter Beibehaltung des ganz anderen und gleichzeitiger Erschließung desselben. Ich habe keinen Zweifel daran, dass das deutsche Übersetzungskomitee größtmögliche Texttreue anstrebte. Die gute Absicht ist jedoch von vornherein zum Scheitern verurteilt, wenn in dieser Gruppe keine Muttersprachlerin vertreten ist, die unter Rückbezug auf die originale arabische Fassung eine "Eindeutschung" in Grenzen hält.


Natürlich braucht es innerhalb eines so umfangreichen und schwierigen Redaktionsprozesses wie der WGT-Liturgie eine einheitliche autorisierte Textgrundlage. Aber: Muss das die englische Übersetzung sein? Diese Vorgehensweise ist mutet kolonialistisch an, angesichts der Tatsache, dass in Deutschland 55.000 Libanesen leben, davon fast die Hälfte Christen, sowie Tausende bereits Eingebürgerte, dass es zahlreiche libanesische Übersetzerinnen gibt, ebenso arabischsprachige christliche Gemeinden. Jeder Theologiestudent verinnerlicht bereits im 1. Semester, dass fundierte Exegese nur vom Urtext ausgehen darf. Warum gelten diese theologischen Mindeststandards offensichtlich nicht beim WGT?


Praktizierter Feminismus bedeutet, dass Frauen eine Stimme erhalten – auch und gerade die Frauen, die man sonst nicht hört. Es steht niemandem zu, sie für die Verwendung in Deutschland zu "modernisieren". Denn das hat elementar mit Würde zu tun. Jeder Eingriff, auch gut gemeinte "Entwicklungshilfe", ist und bleibt Entwicklungshilfe - und da ist Bevormundung nicht fern. In der Wirtschaft sind interkulturelle Teams selbstverständlich geworden. Zeugt es nicht von Hybris, mit einem rein deutschen Team alles selbst machen zu wollen und zu können, der Ergänzung und Korrektur von Muttersprachlern nicht zu bedürfen?


Was nötig wäre

Es sollte auch im Interesse des deutschen WGT-Komitees sein, kritischer gegenüber den US-Vorgaben zu werden und die wirklich originalen Landes-Stimmen zu hören. Ein selbstbewußteres, dem Anliegen angemessenes deutsches Auftreten würde das Vertrauen in das deutsche Komitee erheblich stärken - und der WGT-Sache zugute kommen.


Darum:

Priorität für die Übersetzungsarbeit muss immer das muttersprachliche Original haben. Der englische Text sollte nur als Hilfsmittel dienen für Länder, in denen keine kompetente Übersetzung aus der Herkunftssprache möglich ist. Falls doch aus dem Englischen übersetzt werden sollte, ist eine Abgleichung mit dem Originaltext unabdingbar.

Hinzuziehen theologischer Muttersprachler und Religionswissenschaftler in das deutsche WGT-Team, sowie Einbindung muttersprachlicher Gemeinden in Deutschland in die Liturgieerstellung. Bislang treten Muttersprachler und Landeskundler nur im "Vorprogramm" der Länderinformation auf, die eigentliche theologische Arbeit an der Liturgie jedoch macht eine rein deutsche Frauengruppe.


Erst durch diese Verbesserungen im Procedere kann verwirklicht werden, was die langjährige deutsche Vositzende Helga Hiller in ihrem Buch über die Weltgebetstagsgeweung "Ökumene der Frauen" schreibt, dass nämlich der WGT nicht nur "zu intensiverer Beschäftigung mit dem Herkunftsland und dem Kontext der Autorinnen der Liturgien" führen soll, sondern auch "die Frauen … in ihrem Glauben und Denken selbst sprechen läßt und so eine möglichst unmittelbare Beziehung ... ermöglicht". Denn: Wir wollen den WGT, und wir brauchen den WGT. Aber wir wollen keinen auf deutsche Bedürfnisse zugeschnittenen, geglätteten Text. Wir wollen gewiß sein, dass die "Stimmen aus dem Libanon" – und aus anderen Ländern – die wirklichen Stimmen unserer Schwestern aus jenen Ländern sind. Wir wollen die Stimmen dieser Frauen gerade in ihrem Anders-Sein.


Heidi Josua


Arabische Evangelische Gemeinde Stuttgart

Evangelische Ausländerseelsorge e.V.


Heidi.Josua@auslaenderseelsorge.com

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